
Begrüßung: Volker Gallé, Vorsitzender des Fördervereins Projekt Osthofen e.V.
Siehe S. 7
Begrüßung: Uwe Bader, Referatsleiter „Gedenkarbeit“ der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz
Siehe S.10
Grußwort: Jean Michel Roth, AFMD Bas-Rhin
Herr Roth betonte, dass vor allem die Lehrer die Botschaft weitertragen werden, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt bzw. geben wird und dass deshalb solche Fortbildungen sehr wichtig sind.
Freier Rundgang über das Gelände der Gedenkstätte KZ Osthofen
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gedenkstätte standen für Informationen zur Verfügung.
Gedenkarbeit in Rheinland-Pfalz (Uwe Bader, Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz)
Uwe Bader gab einen kurzen Abriss der Geschichte des frühen Konzentrationslagers Osthofen und stellte den Teilnehmern die Schwierigkeiten der Gedenkarbeit in Osthofen vor; so wurde z.B. das Lager als „Arbeitslager“ verharmlost. Auf dem Gebäude stand deutlich das Wort „Konzentrationslager“ und diese Bezeichnung war für die menschenunwürdige Behandlung der politischen Häftlinge auch zutreffend. Osthofen war eines der ersten KZ auf deutschem Boden und wurde zum staatlichen Lager des Volksstaates Hessen, es bestand bis Juli 1934. Dr. Werner Best gilt als „geistiger Kopf“ des KZ Osthofen. Durch seine Anordnung vom 1. Mai 1933 erhielten der Terror und das KZ den Schein der Legalität. Die gleichgeschaltete Presse wurde zu Propagandazwecken missbraucht und „informierte“ die Bevölkerung im NS-Sinne über das angebliche Erziehungslager. Das KZ Osthofen und andere frühe Konzentrationslager dienten der Konsolidierung der Macht und Abschreckung der Gegner der NS-Diktatur.
Des weiteren gab Herr Bader ebenfalls einen kurzen Abriss der Geschichte des SS-Sonderlagers/KZ Hinzert, wo Luxemburger Widerstandskämpfer, NN-Häftlinge aus Frankreich und den Benelux-Staaten, Fremdenlegionäre aus Südfrankreich, polnische und ukrainische Zwangsarbeiter, die oft ins WED-Programm aufgenommen wurden, sowie „straffällig“ gewordene, deutsche Arbeiter der Organisation Todt (OT) im Zusammenhang mit dem Westwallbau unter härtesten Bedingungen inhaftiert waren.
Herr Bader stellte außerdem die Grundzüge der Gedenkarbeit in Rheinland-Pfalz mit den Gedenkstätten Osthofen und Hinzert vor, u.a. mit der Eröffnung der Dauerausstellung in der Gedenkstätte KZ Osthofen 2004, der Eröffnung des neuen Dokumentations- und Begegnungshauses in Hinzert 2005, der Zusammenarbeit mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz, der Arbeit mit vielen verschiedenen Partnern aus vielen Regionen, z.B. in jüngster Vergangenheit mit dem Kriegsgefangenenmuseum Lambinowice bei Oppeln. Hierzu wird es 2009 eine gemeinsame Fortbildung von polnischen und deutschen Lehrern zu den rheinland-pfälzischen und polnischen Gedenkstätten geben.
Besuch der Dauerausstellung
Rundgang durch die Abteilungen der Dauerausstellung (KZ Osthofen, SS-Sonderlager/KZ Hinzert, Verfolgung und Widerstand in Rheinland-Pfalz). Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gedenkstätte standen für Informationen zur Verfügung.
Vorstellung der pädagogischen Praxis der Gedenkstätte KZ Osthofen (Heribert Fachinger, Pädagoge und Geschäftsführer des Fördervereins Projekt Osthofen e.V.)
Siehe S. 70
Pädagogik und Gedenkarbeit in Luxemburg (Steve Kayser, Direktor des Centre de
Documentation et de Recherche sur l’Enrôlement forcé)
Siehe S. 57
Vorstellung des neuen Dokumentationsfilms zum KZ Osthofen und zur Gedenkstätte
Nach einer kurzen Einführung durch Martina Ruppert-Kelly, Landeszentrale für politische Bildung, wurde der 2008 produzierte Dokumentarfilm „„Am Anfang stand die Gewalt“ – Das Konzentrationslager Osthofen 1933/34“ gezeigt.
Siehe S. 10
Grußwort: Brigitte Erzgräber, Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur
Siehe S. 21
Vorstellung der pädagogischen Praxis am „Centre européen du résistant déporté/Site de l’ancien camp de Natzweiler-Struthof“ (Valérie Drechsler, Direktorin des Centre européen du résistant déporté)
Frau Drechsler betonte in ihrem Vortrag, dass Geschichte keine Grenzen kenne, die Erinnerung demzufolge auch keine Grenzen haben dürfe. Aufgabe der Gedenkstätten sei es, Ziele zu empfangen und zu übermitteln: Originale und interaktive Möglichkeiten in der Gedenkstätte sollen den Besuchern die Geschichte vermitteln. Besucher können nicht dazu gezwungen werden, Gefühle zu unterdrücken; sie werden beim Besuch der Gedenkstätte zwangsläufig damit konfrontiert. Das Centre européen du résistant déporté gibt einen kurzen Abriss über die Geschichte von Natzweiler-Struthof und bietet zusätzliche Informationen, so z.B. über die Reichspogromnacht. Die Frage, ob man Kunst an einem solchen Ort zeigen dürfe, beantwortete Valérie Drechsler deutlich mit ja, da die Kunst ein eindrucksvolles Beispiel für die Freiheit des Geistes sei.
Alle Besucher haben einen unterschiedlichen Hintergrund (Alter, Herkunft usw.), der besondere Anstrengungen erfordert. Das wiederum stelle für die Gedenkstättenpädagogik eine besondere Herausforderung dar. Die anschließende Diskussion beschäftigte sich vor allem mit der Thematik, welche Fragen heutige Besucher an die Gedenkstätte stellen. Herr Bader schlug vor, solche Fragen in den Gedenkstätten zu sammeln und künftig gemeinsam zu diskutieren.
Vorstellung der pädagogischen Praxis an der „Nationalen Gedenkstätte Fort Breendonk“ in Willebroek/Belgien (Olivier Van der Wilt, Konservator der Gedenkstätte Fort Breendonk)
Olivier Van der Wilt stellte zunächst die Geschichte des Forts kurz dar und zeigte die Bedeutung des Forts für die nationale Erinnerung in Belgien anhand von Fotos. Bei seinen Ausführungen zur pädagogischen Praxis in der Gedenkstätte stellte er vor allem Arbeitsmappen mit Materialien vor, die es den Schülern ermöglichen, sich aktiv an den Führungen zu beteiligen. Die anschließende Diskussion drehte sich insbesondere um die Frage, ob die Art der Präsentation in der Gedenkstätte als Inszenierung wahrgenommen werden kann. Herr Van der Wilt vertrat die Position, man müsse bestimmte Dinge inszenieren, um sie gerade dem jüngeren Publikum zu vermitteln. Auch er betonte, wie vor ihm schon Heribert Fachinger, Steve Kayser und Valérie Drechsler, dass der Besuch einer Gedenkstätte kein „Impfstoff“ gegen Rechtsextremismus sei.
Trinationale Workshops “Gekreuzte Blicke”: Unterschiedliche Perspektiven auf die Gedenkarbeit aus französischer, belgischer und deutscher Sicht
Workshop 1: „Am Ende kommen Touristen“ (Leitung: Martina Ruppert-Kelly)
Die Teilnehmer des Workshops sahen sich gemeinsam den beim Deutschen Filmfest 2007 in München ausgezeichneten Film „Am Ende kommen Touristen“ von Regisseur Robert Thalheim an. Dieser Film über einen jungen Zivildienstleistenden in der Gedenkstätte Auschwitz bietet in mehrfacher Weise „gekreuzte Blicke“ auf die Themen Nationalsozialismus und Gedenkarbeit: Die deutsche und die polnische Perspektive, die eines jungen Zivis der dritten Generation und die eines Zeitzeugen, vergangene und gegenwärtige. In beeindruckender Weise thematisiert er die Suche nach einem angemessenen Verhältnis und Umgang mit der Geschichte.
Folgende Problemstellungen wurden anhand des Films diskutiert: Reden und Schweigen im Schatten von Verfolgung und Vernichtung; Nachfahren der „Täter“ im Land der „Opfer“; die dritte Generation und die Suche nach einem angemessenen Umgang mit der Geschichte.
Workshop 2: „Gekreuzte Blicke“ – Was ist das? (Leitung: Heribert Fachinger)
Woher kommen unterschiedliche Perspektiven auf die Gedenkarbeit? Gibt es sie überhaupt? Worin bestehen sie? Wie kann man in der Zusammenarbeit damit umgehen? Diese Fragen gaben Anstoß zu einer sehr offenen und tiefgreifenden Diskussion aller Teilnehmer.
Workshop 3: Gekreuzte Blicke aus der „Täter“- und „Opfer“-Perspektive (Leitung: Dr. Albrecht Gill)
Die historische Ausgangssituation für Gedenkarbeit in Frankreich und Belgien auf der einen und Deutschland auf der anderen Seite ist unterschiedlich: Deutschland ist das Land der „Täter“, während Belgien und Frankreich sich als „Opfer“ des Nationalsozialismus verstehen.
Ist dies so? Was heißt dies für die Gedenkarbeit in den einzelnen Ländern, aber vor allem auch für die Zusammenarbeit? Soll man weiterhin in diesem „Täter-Opfer-Schema“ bleiben? Gibt es Auswege oder neue Perspektiven? Diese Fragestellungen wurden in dieser Arbeitsgruppe diskutiert.
Zeitzeugengespräch mit François Amoudruz
Der französische Zeitzeuge François Amoudruz, Jahrgang 1926, berichtete von seinem Schicksal während der NS-Zeit. Er war als Siebzehnjähriger Jurastudent an der Exil-Universität Straßburg in Clermont-Ferrand. Aus politischen Gründen wurde er zuerst nach Buchenwald, dann nach Flossenbürg und Johanngeorgenstadt deportiert. Bis heute versteht François Amoudruz sich als jemand, der besonders bei Jugendlichen, aber auch bei Erwachsenen Zeugnis über diese Zeit ablegt, damit die Verbrechen der damaligen Zeit sich nicht wiederholen.
Grußworte: Bernd Müller, Bürgermeister der Stadt Osthofen und Ernst Walter Görisch, Landrat des Kreises Alzey-Worms
Herr Müller und Herr Görisch begrüßten die Teilnehmer der Tagung, vor allem auch die Gäste aus dem Ausland und wiesen diese auf die Besonderheiten Rheinhessens und Osthofens hin.
Bruno Kartheuser hat für seine vier Bände „Die Erhängungen von Tulle“ elf Jahre recherchiert. Es geht um die Erhängung von 99 Zivilisten durch die SS-Division „Das Reich“ als Vergeltung für einen zuvor stattgefundenen Angriff von Widerstandskämpfern. Viele der NS-Verantwortlichen wurden für ihre Verbrechen nie zur Rechenschaft gezogen.
Zeitzeugengespräch mit Hubert France
Der französische Zeitzeuge Hubert France, Jahrgang 1927, war mit seiner gesamten Familie aus Lothringen in ein Lager in Schlesien deportiert worden, da sie als „politisch unzuverlässig“ galten, weil sie sich der Eindeutschungspolitik der Besatzer widersetzten. Der Zeitzeuge berichtete über die deutsche Besatzungspolitik in Lothringen und über deren Folgen für Personen, die sich nicht mit der defacto-Annexion abfanden.
Vorstellung des "Chemin de la Mémoire et des Droits de l’Homme" ( Renée Weber, CIDH Sélestat)
Siehe S. 83
Vorstellung der Workshopergebnisse im Plenum
Sprecher der einzelnen Gruppen stellten kurz ihre Ergebnisse vor.
Workshop 1: „Am Ende kommen Touristen“
Der Film „Am Ende kommen Touristen“ basiert zwar auf den Erinnerungen des Regisseurs Robert Thalheim an seine Zeit als Zivildienstleistender in Auschwitz, ist aber fiktiv, keine Dokumentation. Für die Teilnehmer des Workshops warf der Film viele Fragen auf, ohne konkrete Antworten zu geben, da er sehr offen konzipiert ist. Es ist ein Film über den Umgang mit dem Thema „Auschwitz“ heute, das eigentliche Lager in Auschwitz ist kaum zu sehen. Die Fragen „Wie kann man etwas darstellen, das man eigentlich gar nicht darstellen kann?“ und
„Wie geht man mit der Zeit um, wenn keine Zeugen mehr da sind?“ stehen im Mittelpunkt des Films. Das Verhältnis verschiedener Generationen zueinander stellt einen weiteren Schwerpunkt des Films dar. Außerdem warnt der Film vor einem aufkommenden „Sensationstourismus“.
Workshop 2: „Gekreuzte Blicke“ – Was ist das?
Auf der Grundlage der intensiven Diskussion der Teilnehmer wurde eine Charta von acht Zielen, die gleichsam als Raster für die Weiterentwicklung der Gedenkarbeit in den an der Tagung teilnehmenden Ländern dienen kann, entwickelt.
Die hier anwesenden Verantwortlichen und Vertreter der „Erinnerungs- und Geschichtsorte“, verpflichten sich:
1. über den Erhalt des Geschichtsunterrichts, sowie auf die Wahrnehmung und die Annahme des vielschichtigen europäischen Gedächtnisses zu wachen.
2. den interkulturellen und integrativen grenzübergreifenden europäischen Dialog zu stimulieren.
3. den Respekt der Menschenrechte zu fördern.
4. die Authentizität unserer Erinnerungsorte zu schützen.
5 einen ständigen Kontakt zu den europäischen, nationalen und regionalen Bildungsinstitutionen und -organismen, sowie den Akteuren des Bildungswesens aufrecht zu erhalten
6. zu der Ausbildung von Erinnerungsträgern, die zugleich Multiplikatoren der demokratischen Grundwerte sind, beizutragen.
7. ein ständiges Infragestellen der Lehrmethoden in unseren Gedenkstätten zu pflegen.
8. die internationale Vernetzung zwischen den Gedenkstätten und Partnerinstitutionen zu fördern.
In der Praxis gelingt uns dies durch einen systematischen Austausch unserer pädagogischen Ressourcen, der Bibliographien, der Übersicht unserer Bibliotheks- und Archivbestände (u.a.) und durch die Schaffung von aktiven Beziehungen, u.a. auf direktem Weg durch den Dialog oder auf virtuellem Weg zwischen unseren „Erinnerungs- und Geschichtsorten“.
In diesem Sinne entscheiden sich die hier anwesenden Verantwortlichen und Vertreter des „Erinnerungs- und Geschichtsorte“, sich dazu, sich regelmäßig und mindestens einmal jährlich in einer Gedenkstätte ihrer gemeinsamen Wahl zu treffen, um zu diskutieren und ihre Erfahrungen im Rahmen dieser Erklärung auszutauschen.
Diese Ziele sollen stetig geprüft und weiterentwickelt werden, um den Dialog zwischen den Gedenkstätten weiter auszubauen und so ein gemeinsames Netzwerk zu schaffen. Allen Teilnehmern der Tagung soll der Entwurf der Charta zugesandt werden, so dass Änderungen und Ergänzungen vorgenommen werden können, um diese bei der nächsten Tagung beschließen zu können. Diese Vorschläge wurden von den Teilnehmern angenommen.
Workshop 3: Gekreuzte Blicke aus der „Täter“- und „Opfer“-Perspektive
In diesem Workshop wurden vor allem zwei Begriffe intensiv diskutiert: Täter und Mitläufer.
Ist der Begriff des „Bystanders“ möglicherweise hilfreich? Die Teilnehmer des Workshops forderten ein kollektives Verantwortungsbewusstsein, „Schwarz-Weiß“ – Malerei sei abzulehnen. Für die Praxis der Gedenkstättenarbeit gelte als gemeinsame Basis die Vision von „Menschheit“. Es gelte, die Zielgruppen mit aktuellem Geschehen zu konfrontieren (persönliche Betroffenheit und Empathie). Die Gruppe merkte an, dass die Begreiflichkeit einiger Termini eindeutig geklärt werden müsse („Mitläufer“, „Bystanders“), dass der Verweis auf die Einzigartigkeit des Völkermordes an den Juden uneingeschränkt gültig, und die Einbeziehung aller Opfergruppen unverzichtbar sei.
Möglichkeiten der inhaltlichen und organisatorischen Verknüpfung der Gedenkstätten in Frankreich, Belgien, Luxemburg und Deutschland
Auswertung der Ergebnisse der Tagung
Die Ergebnisse der Tagung werden protokolliert und allen Teilnehmern zugesandt, gemeinsam mit einer Adressenliste der Teilnehmer zur leichteren Vernetzung (bis 15. Februar 2009). Außerdem ist eine Dokumentation der Tagung vorgesehen, die alle Vorträge und Beiträge enthalten wird. Herr Bader schlug vor, diese Tagung in jährlichem Turnus an unterschiedlichen Orten zu wiederholen. Dieser Vorschlag stieß auf Zustimmung, Steve Kayser schlug als Veranstaltungsort für 2009 Luxemburg vor, auch dieser Vorschlag wurde angenommen.
Zum Abschluss bedankte sich Herr Bader bei allen Teilnehmern für die intensive und produktive Zusammenarbeit. Einen besonderen Dank richtete er an die beiden Zeitzeugen François Amoudruz und Hubert France.